Offener Brief an die Bischöfe Österreichs

Mag. Hans Chocholka
Feldbacherstraße 1
8083 St. Stefan/R
Vorsitzender des Vereines „Priester ohne Amt“

Es liegt mir ferne, jemanden vor zu verurteilen. Doch wenn man die Äußerungen des designierten Weihbischofs Gerhard Wagner hört, dann habe ich Sorge, dass die unseligen Zeiten eines Bischofs Kurt Krenn & Co, die der Kirche solchen Schaden zugefügt haben, wiederkehren. Da helfen alle beschwichtigenden Worte der anderen Bischöfe nichts.

Auch dessen Aussagen zum Pflichtzölibat der Priester zeigen, wie wenig Wert er auf die Stimme des Volkes Gottes legt, das doch gemeinsam mit den Bischöfen die Kirche ist. Wenig hilfreich sind seine Ansagen, dass doch auch die Ehe nicht einfach zu leben ist. Ich denke, er hat überhaupt noch nicht verstanden, dass es in dieser Frage nicht darum geht, welcher Weg der leichtere ist, der Weg der Ehe oder der Weg der Ehelosigkeit, sondern darum, ob die Kirchenleitung überhaupt das Recht hat von den Priestern einen Pflichtzölibat zu verlangen. Ganz abgesehen davon ist die Ehe ein fundamentales Menschenrecht, das niemand antasten darf, auch nicht die Kirchenleitung. Die „Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen“ (Siehe: Mt 19, 11 – 12, 1 Kor 7, 7 u. 17) ist ein Charisma, das nicht verordnet werden kann, und das unabhängig vom Priesterdienst besteht. Die Kirchenleitung müsste sich wieder mehr an der Heiligen Schrift orientieren als an Ideologien, denn der Pflichtzölibat ist eine heidnische Ideologie, die nichts mit der Botschaft Jesu zu tun hat, wie nicht nur die Geschichte des Pflichtzölibats zeigt, sondern auch die Aussagen der Heiligen Schrift.

Die Sorge der Bischöfe, dass das Weihepriestertum ausgehöhlt wird, wie bestimmte Entwicklungen weltweit zeigen, eine Sorge, die ich zum Teil mit ihnen teile, wird nicht dadurch behoben, dass man polarisierende Hardliner auf den Schild hebt, sondern dadurch, dass man notwendige Reformen in der Kirche zulässt. Diese Reformen sind wichtig, damit auch das geistliche Klima in der Kirche wieder gedeihen kann. Was wir brauchen sind Brückenbauer, und nicht Bischöfe, die von oben her, abgehoben vom Kirchenvolk, dekretieren, was „unmündige Laien“ zu tun haben. Die Tendenz von konservativen Kreisen ist leider die, dass die „Laien“ wieder zu unterwürfigen Befehlsempfängern degradiert werden.

Dazu ist schleunigst ein sachlicher Dialog, der bislang verweigert wird, mit allen Menschen in der Kirche notwendig. Doch in Rom haben, so scheint es, erzkonservative Kreise das Sagen, Kreise, die die Kirche auf eine kleine Herde schrumpfen lassen wollen. Mit diesen, so auch Kardinal Schönborn, wollen sie die Kirche in „ihrem“ Geist reformieren.

Mag. Hans Chocholka
Vorsitzender des Vereines „Priester ohne Amt“