Weihe der heiligen Birgit

Weihe der hl. Brigit (Birgit)

Aus dem Leabhar Breac, aus dem Leben von St. Brigit, übersetzt aus dem Gälischen von Whitley Stokes im Jahr 1878 (www.ucc.ie/celt/published/T2010101/index.aspl)

Die heilige Brigit (auch Brigitta, Brigid, Bridget, Bride genannt) war Äbtissin einer Doppel-Abtei für Mönche und Nonnen in Kildare, Grafschaft Kildare, Irland. Damals gab es noch Klöster für Eheleute. Mönche und Nonnen leben gemeinsam im Kloster. Geboren wurde Brigit etwa 453 n. Chr. in Focchard in Leinster. Sie starb ungefähr 524 – 528. Sie spielt eine große Rolle in vielen irischen Legenden, Mythen und Geschichten. Mit dem Heiligen Patrik ist sie die Patronin Irlands. Sie gründete mehrere Klöster, darunter Kildare. Ihr Fest feiert die Kirche am 1. Februar.

Moderne Übersetzung des Texts in Leabhar Breac

Brigit ging mit einigen anderen jungen Frauen zu Bischof Mél in Telcha Mide, um den Schleier zu nehmen [= eine Ordensschwester zu werden]. Der Bischof erfüllte gerne den Wunsch.

Brigit blieb aus Demut zurück, damit sie die Letzte sei, welcher der Schleier gegeben werden sollte. Ein Strahl von Feuer ging von ihrem Kopf zum Schlussstein der Kirchendecke hinauf.

Bischof Mél fragte: ‚Wer ist diese Frau?‘

Mac Caille antwortete: ‚Sie ist Brigit.‘

‚Komm, heilige Brigit ‚, sagte Bischof Mél, ‚ dass der Schleier deinem Haupt vor den anderen Frauen aufgelegt werden kann.‘

Damals geschah es, durch die Gnade des Heiligen Geistes, dass das Gebet, das über Brigit gelesen wurde, das Formular der Bischofsweihe war.

Mac Caille sagte: ‚Die Bischofsweihe sollte einer Frau nicht verliehen werden.‘

Aber Bischof Mél erklärte: ‚Dies liegt außerhalb meiner Macht, weil es durch Gottes Handeln war, dass diese Ehre, die jede Frau übersteigt, ihr gegeben wurde.‘

Das ist, warum die Männer von Irland Brigits Nachfolger die Ehre eines Bischofs geben.

Originalübersetzung durch Whitley Stokes

Brigit und einige Jungfrauen gingen zu Bischof Mél in Telcha Mide, um den Schleier zu nehmen. Froh war er darüber. Aus Demut blieb Brigit hinten, so dass sie die Letzte sei, welcher der Schleier gegeben werden sollte. Eine feurige Säule stieg aus ihrem Kopf zum Schlussstein der Kirche oben. Bischof Mél fragte: ‚Welche Jungfrau ist das?‘. Da antwortete Mac Caille: ‚Das ist Brigit‘ sprach er. ‚Komm, heilige Brigit‘ sprach Bischof Mél, ‚dass der Schleier vor den anderen Jungfrauen auf Dein Haupt gelegt werde.‘
Da geschah es durch die Gnade des Heiligen Geistes, dass das Formular der Bischofsweihe über Brigit gelesen wurde. Mac Caille sagte ‚Die Bischofsweihe sollte einer Frau nicht verliehen werden‘. Es sprach Bischof Mél: ‚Keine Macht habe ich in dieser Angelegenheit, insofern als von Gott diese Ehre, die über jede Frau erhaben ist, ihr gegeben wurde.‘ Daher ist es, dass die Männer von Irland Brigits Nachfolger die Ehre eines Bischofs geben.

Das Rechtsystem Irlands

Die Bischofsweihe der hl. Brigit ist deshalb möglich gewesen, weil in Irland die Frauen bis ins 7. Jahrhundert die gleichen Rechte hatten wie ein Mann. Im Irland des siebenten Jahrhunderts gab es ein wohldurchdachtes Rechtssystem, das das Gesetz der Fenechus, der Landbebauer, genannt wurde, doch besser bekannt ist als das Gesetz der Brehons, abgeleitet von dem Wort breitheamh für Richter. Diese Gesetze wiesen der Frau eine einzigartige Stellung zu. Die irischen Gesetze gaben den Frauen mehr Rechte und größeren Schutz als irgendein anderes westliches Gesetzeswerk jener Zeit oder bis in die jüngste Vergangenheit. Frauen konnten sich gleichberechtigt mit den Männern um jedes Amt bewerben und jeden Beruf ergreifen, und sie taten es auch.

Die Gesetze schützten die Frauen vor sexueller Belästigung, vor Diskriminierung und vor Vergewaltigung. Sie konnten sich auf gleichem Rechtsfuß gesetzlich von ihren Ehemännern scheiden lassen und dabei einen Teil des Vermögens des Mannes als Abfindung verlangen. Sie konnten persönliches Eigentum erben und hatten Anspruch auf Krankengeld. Aus heutiger Sicht schufen die Gesetze der Brehons fast ideale Bedingungen für die Frauen.

Während das siebende Jahrhundert in Europa zum „finsteren Mittelalter“ gezählt wird, gilt es in Irland als ein Zeitalter der „goldenen Aufklärung“.

Rom war dieses Rechtsystem ein Dorn im Auge. Die keltische Kirche lag daher in einem ständigen Streit mit Rom über die Fragen der Liturgie, die Riten der Kirche, den Zölibat der Priester, den es in Irland nicht gab, und die Frauenweihe. Die Verurteilung der „Sünde des Fleisches“ blieb der keltischen Kirche noch lange fremd, nachdem sie in der römischen Kirche bereits zum Dogma geworden war.

In der keltischen Kirche konnten Frauen auch Priesterinnen werden. Und die hl. Brigit war nicht die einzige Frau, die zur Bischöfin geweiht wurde, wogegen Rom heftig protestierte. Vor allem war es die zölibatäre Männerhierarchie, die Frauen systematisch als unwürdig für die Weihe einstufte.

2 Gedanken zu „Weihe der heiligen Birgit

  1. Ingolf Friedrich, geschrieben am 25.06.2006, 15:57

    ein Teil des Textes ist doppelt
    es betrifft die Stelle, wo es heißt: Originalübersetzung durch Whitley Stokes.
    Dieser Abschnitt ist doppelt vorhanden.
    Bitte ausbessern.
    Herzlichen Dank
    Ingolf

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