Monolithische Kirchentradition?

Obwohl spezifische Bezeugungen von Frauenpriestern nur wenig vorhanden sind, lässt uns die häufige und stets polemische Behandlung der Frage der Zulassung von Frauen zum Priestertum sowohl bei christlichen Autoren als auch in den Akten der Konzilien schließen, dass die Fälle von Frauen, welche am liturgischen Dienst teilgenommen haben, häufiger vorgekommen sein müssen als jene, die in der Literatur und in den epigraphischen Zeugnissen belegt werden. Die Schriften von Van der Meer, Gryson und Galot bestätigen die Kontinuität, mit der die Kirchenhierarchie, die Kirchenväter und die kirchlichen Konzile sich dem Problem der Zulassung von Frauen zum Sakrament des Priestertums entgegengestellt haben.

All dies, trotz des beklagenswerten Mangels an Beweisen und trotz der üblichen Tiraden, welche von jenen geäußert werden, welche sich gegen Frauenpriester stellen, weist auf folgenden Schluss hin. Die Tradition, welche von der alten Kirche angenommen wurde, können wir uns eindeutig nicht als monolithisch, klar definiert und universell akzeptiert vorstellen – ich meine hier die ganze Kirche, wenn ich alle Gläubigen und nicht lediglich die kirchlichen Autoritäten zähle. Im Gegenteil: die Position war, wie oben definiert, in einer fortlaufenden Entwicklung, als eine immer wieder dringend zu Aufmerksamkeit gebrachte Frage  [73], um die gestritten wurde und die auf verschiedene Art gelöst wurde. Die Tradition wurde erst in dem Moment monolithisch, als man all die Lösungen verdammte, welche in der Vergangenheit im Gegensatz zu den offiziell akzeptierten und in der katholischen Kirche verteidigten standen. Vielleicht könnte ein möglicher Einfluss auf die Einstellung der Kirche die Tatsache sein, dass vom zweiten Jahrhundert an einige Gemeinden, welche als Häretiker verurteilt waren, Frauen zum Priestertum und zum Bischofsamt zuließen. Aber die Gegenwart einer presbytera bedeutet nicht unbedingt ihre Heterodoxie oder diejenige ihrer Gemeinde, in der sie lebte und ihren Dienst ausübte.

Fußnote:
[73] Ein vollständig anderer Gesichtspunkt ist der von Van der Meer, für welchen „das Problem des Priestertums von Frauen bis vor kurzem noch nicht so stark gefühlt wurde“ (Sacerdozio, 141).

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