Folgen der unbeugsamen Haltung der Kirchenleitung in der Frage des Pflichtzölibats

Die Folgen des Zwangszölibats in der Kirche waren und sind verheerend, wie die Geschichte zeigt. Sie macht deutlich, wie grausam die kirchliche Obrigkeit oft gegen Priester vorging, die in einer Ehe mit einer Frau lebten.

 

Sie wurden meist gewaltsam von ihren Frauen und Kindern getrennt, in Klöster gesteckt, ausgepeitscht und manchmal, wie z. B. unter Papst Gregor VII. (1073 – 1085), sogar getötet. [1] Ähnlich erging es den Frauen und Kindern der Priester. Verheiratete Priester leiden bis heute darunter, dass sie von der offiziellen Kirche als „Abtrünnige“ ausgegrenzt werden, mit denen man am liebsten nicht mehr reden würde.

Kirchenrechtlich werden die verheirateten Priester auch heute noch schlechter gestellt als Laien. Sie dürften nicht einmal in der Kirche als Lektoren oder Kommunionspender Dienst tun, sie dürften nicht in maturaführenden Schulen unterrichten, sie dürften kein Patenamt ausüben, sie dürften nicht einmal in einer Pfarre wohnen, wo man um ihr Priestersein weiß, und was es sonst noch an Schikanen gegen sie gibt. In Italien z. B. dürfen verheiratete Priester nicht einmal in den Staatsdienst eintreten. So ist es in einem Abkommen zwischen italienischen Staat und dem Vatikan vereinbart worden. Damit will man die Priester zwingen, im zölibatären Stand zu verbleiben.

Hier einige Zitate von Priestern, die den Zwangszölibat auf sich genommen haben, um Priester werden zu können, später aber erkannt haben, dass dies nicht die Lebensform ist, die Gott von ihnen verlangt. Ein Weg voll mit inneren Qualen und Leiden:

  • Wir waren Aussätzige, Verfemte, Verfolgte und Ausgestoßene.
  • Nicht die Herde geht immer in die Irre, sondern die Hirten haben fehlgeführt. Sie möchten doch eiligst nachkommen, um auch auf die gute Weide zu kommen.
  • Ich habe mein Amt nach fünfjähriger Tätigkeit als Priester und zurückgelegt, um meine jetzige Frau heiraten zu können. Als ich meine Entscheidung zu Schulschluss bekannt gab, gratulierten mir viele Gläubige zu meinem Mut und meiner Aufrichtigkeit. Obwohl ich auch mit Missbilligung und Anfeindungen gerechnet hatte, bekam ich nur einen kritischen Brief. Er stammte von einer älteren Dame, die mich seit meiner Kindheit kannte. Sie sandte mir mein Primizbild zurück und forderte mich eindringlich auf, mich von meiner Frau wieder zu trennen.
  • So feierte ich am 29. Juli 1973 die letzte Sonntagsmesse mit meiner Pfarre. Bei dieser letzten Messe sagte ich: „Ich hoffe, wenn ich heute vom Altar herabsteige, dass ich wieder einmal hinaufsteigen kann“.  Ich nahm Abschied von einer schönen Aufgabe und ging einer schwierigen Zukunft entgegen.
  • … In den folgenden Jahren begann ich selbständig intensiv die Heilige Schrift zu studieren und lernte dabei, sie besser zu begreifen. Mein Gesichtsfeld weitete sich, und meine Seele wurde freier. Vor allem waren es zwei Dinge, die ich existentiell erfahren durfte. Erstens: Liebe und Sexualität müssen gut sein, sonst hätte sie Gott nicht so erschaffen. Es waren nur irregeleitete Menschen, die sie als böse und schlecht verurteilten. Als Zweites erkannte ich, dass der Wille der Obrigkeit nicht automatisch mit dem Willen Gottes gleichgesetzt werden könne. Damit aber war meiner zölibatären Existenz der Boden entzogen. Ich hatte nichts mehr, auf das ich mich in dieser Sache stützen konnte. Nur deswegen zölibatär zu leben, weil Menschen das so wollten, war mir zu wenig. Ich spürte in mir eine innere Freiheit und ich begann Gott wirklich zu lieben.
  • Es begann so eine sehr schöne aber auch eine sehr schwere Zeit für mich. Zweifel und Ängste traten immer wieder auf, die Geheimhaltung dieser Liebe und das Versteckspielen waren belastend. Der Leidensdruck für sie und für mich wurde immer unerträglicher.
  • Nun bin ich verheiratet und wir haben ein Kind. Aber bin ich deswegen kein Priester mehr? Ich würde gern mein Amt weiterhin ausüben und ich bin überzeugt, dass ich ein guter Seelsorger wäre, auch mit Familie.
  • Ich habe meinen Priesterdienst aufgeben müssen, weil die Kirche mit Argumenten kommt, die ich vor meinem Gewissen nicht verantworten kann. Ich dürfe Priester bleiben, wenn ich die Frau und die Kinder nicht als meine anerkenne. Ich müsse sie verleugnen. Dann darf ich Frauen haben oder zusammenleben, nur darf es nicht öffentlich bekannt sein, d. h. ich darf nicht dazu stehen.
  • Meine Schwierigkeiten mit dieser Lebensform, die einen Ansatzpunkt in meiner Natur braucht, damit Gottes Gnade das Gelingen bewirken kann, zeigten, dass hier etwas nicht stimmt. Nicht weil ich zuwenig Gottvertrauen gehabt oder zuwenig gebetet oder es mit der priesterlichen Kleidung zuwenig ernst genommen hätte. Nein! Es fehlte schlicht und einfach die Berufung zum ehelosen Leben.
  • Eine Zeit lang fühlt man sich als Außenseiter, weil man offenbar der Einzige ist, dem es so geht. Man traut sich nicht, mit jemand darüber zu reden. Man muss Gefühle, Erfahrungen verbergen, die Beziehung verstecken.
  • Wenn die Berufung zur Ehelosigkeit fehlt, wird das Leben zur Qual.
  • Angst vor dem Auffliegen. Angst, die Existenz zu verlieren. Heimliche Beziehung.
  • Sich durchringen, unter schweren Belastungen und Kompromissen die Beziehung zu leben und trotzdem als Priester im Amt zu bleiben.
  • Je mehr ich dazu stehe, desto freier werde ich.
  • Das Zölibatsgelübde in Verbindung mit der Priester- bzw. Diakonatsweihe beruht nicht auf freier Entscheidung, da es von vornherein eine BEDINGUNG ist, um Priester werden zu können. Eines ist zumindest klar: Ich hätte nie ein zölibatäres Leben gelobt, wenn dieses Gelübde nicht zur Erlangung der Priesterweihe eingefordert worden wäre.

[1] Siehe Karlheinz Deschner, „Das Kreuz mit der Kirche“, S 172, Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und Wien, 1974.

6 Gedanken zu „Folgen der unbeugsamen Haltung der Kirchenleitung in der Frage des Pflichtzölibats

  1. Ich empfehle ihnen folgende Bücher zu lesen: Heinz-Jürgen Volgels, „Zölibat als Gnade und als Gesetz“, Anton Hiersemann Verlag, Stuttgart 2013. Und: Hans Chocholka, „Pflichtzölibat – Priesterehe“ der unheilvolle Einfluss der Gnosis auf die kirchliche Sexualmoral, Bestellung bei: Hans Chocholka, A-8083 St. Stefan/R, Feldbacherstraße 1, oder per Mail: hans.chocholka@aon.at

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  2. Die Wahrheit ist niemals unchristlich und keine Diffamierung. Nur die Wahrheit wird euch frei machen, sagt der Apostel. Ein Pflichtzölibat verstößt nicht nur gegen biblisches Recht, sondern auch gegen das Naturrecht und dieses ist göttliches Recht. Auch die Apostel waren verheiratet (siehe 1 Kor 9, 5).

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  3. Sie macht auf die Nöte von Menschen aufmerksam, die sich einer unchristlichen Lehrauffassung nicht mehr beugen.

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  4. Was ist an der Seite so schlimm? Sie macht auf die Nöte on Menchen aufmerksam, die sich einer unchristlichen Lehreauffassung nicht mehr beugen. Im neuenTestament wird im 1. Brief des Timotheus vor denen gewarnt, die verbieten zu heiraten. Und in 1. Tim. Kap. 3 Vers 3 wird klar ausgeführt, dass die Bischöfe verheiratet sein sollen. Wer die Ehe verbietet ist nicht in Gott!

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    • Freiwillig wäre der Zölibat nur dann, wenn der Priester seine Lebensform selbst bestimmen könnte. Das ist aber nicht der Fall. Wenn jemand zum Priester berufen ist, dann muss er den Zölibat als Bürde mitnehmen. Das ist aber nicht Wille Gottes, die Heilige Schrift kennt keinen Pflichtzölibat. Die Ehelosigkeit „um des Himmelreiches willen“ ist ein Charisma, das nur Gott geben kann. Daher hat die kirchliche Obrigkeit gar nicht das Recht den Zölibat zu verlangen. Die Ehe ist nicht nur ein biblisches Recht, sondern auch ein unveräußerliches Menschenrecht.

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